
Liebe Freundinnen und Freunde von Bawa Ndege
Eine ganze Woche waren wir – Salome, Obadiah und unser einjähriger Sohn Joshua (mehr zu uns im Kasten) – im Westen Kenias und im Rift Valley unterwegs. Wir besuchten Familien und Partnerorganisationen und erhielten Einblicke in ihre Arbeit. Besonders eindrücklich war der Besuch bei einer möglichen neuen Partnerorganisation, die Gruppen von Müttern mit Kindern mit Beeinträchtigungen begleitet. Für uns war es eine wertvolle Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren, wie solche Gruppen aufgebaut und angeleitet werden können.
Nach einer intensiven Woche stand noch ein letzter Hausbesuch auf dem Programm.
Unser Ziel: Simon.
Wer steckt eigentlich hinter Bawa Ndege in Kenia?
Wir sind Salome (33) und Obadiah (39) und leben mit unserem einjährigen Sohn Joshua in Nairobi.
Salome stammt aus der Schweiz, ist Ergotherapeutin und lebt seit knapp fünf Jahren in Kenia. Seit März 2024 arbeite ich für Bawa Ndege und war von Beginn an am Aufbau des Vereins und der Projekte in Kenia beteiligt. Ich koordiniere Projekte, baue Brücken zur Schweiz und zum deutschsprachigen Raum und bin unter anderem für Fundraising und Fördergesuche bei Stiftungen verantwortlich.
Obadiah ist in Kenia aufgewachsen, war Profifussballer und Sportlehrer und arbeitet seit Juli 2025 für Bawa Ndege. Er pflegt die Beziehungen zu Familien und Partnerorganisationen, baut neue Kontakte auf und bleibt regelmässig mit den Menschen in Verbindung, die wir begleiten.
Dabei arbeiten wir nicht allein. Sozialarbeitende, medizinische Fachpersonen, Therapeutinnen und Therapeuten, Schulen und weitere Partnerorganisationen sind ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Gemeinsam versuchen wir herauszufinden, welche Unterstützung für einen Menschen oder eine Familie wirklich sinnvoll ist.
Und manchmal bedeutet das: früh aufstehen und weit fahren.

Zwei Stunden von der Hauptstrasse entfernt
An diesem Morgen holten wir zuerst Mama Grace ab. Sie leitet ein Internat für Kinder mit Beeinträchtigungen und begleitet Simon bereits seit einiger Zeit.
Simon ist zwölf Jahre alt und hat Spina bifida. Er kann nicht gehen und ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Seit etwa einem Jahr unterstützt Bawa Ndege ihn mit Schulgebühren, Hilfsmitteln für seine persönliche Hygiene, Transportkosten und bei Bedarf auch medizinischen Ausgaben.
Da gerade Schulferien waren, wollten wir Simon und seine Familie zu Hause besuchen.
Die Strassen wurden immer schlechter. Bald waren wir nur noch auf einer holprigen Offroad-Piste unterwegs. Irgendwann wussten wir nicht mehr, ob wir noch auf dem richtigen Weg waren. Mama Grace rief Simons Mutter an. Kurz darauf schickte sie uns einen Motorradtaxi-Fahrer, der uns den Weg zu ihrem Zuhause zeigte.
Nach insgesamt rund zwei Stunden Fahrt von der Hauptstrasse entfernt kamen wir an.
Willkommen bei Simon
Simon wartete mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder auf uns. Die Familie lebt in einer einfachen Lehmhütte mit zwei Zimmern. Simon besitzt einen handbetriebenen Rollstuhl, mit dem er sich auf dem schwierigen Gelände ein Stück weit selbstständig bewegen kann.
Seine Mutter empfing uns herzlich.
Vor einem Jahr wusste sie nicht mehr weiter. Sie hatte Mühe, ihre Familie mit Essen zu versorgen, geschweige denn Simons Schulgebühren, medizinische Kosten und Transporte zu bezahlen. Ihr Ehemann ist schwerer Alkoholiker und kontrolliert viele Entscheidungen innerhalb der Familie.
Die Belastung wurde so gross, dass sie uns erzählte, sie habe damals nicht mehr weiterleben wollen.
Fast gleichzeitig wandte sich Mama Grace an Bawa Ndege. Als Simons Mutter erfuhr, dass die wichtigsten Kosten für ihren Sohn übernommen werden konnten, schöpfte sie neue Hoffnung.
Nun, ein Jahr später, sassen wir bei ihr zu Hause.
Sie bereitete uns Chai zu und betete für uns. Der Chai war sehr dünn und kaum gesüsst. Normalerweise wird kenianischer Chai mit Milch und Zucker zubereitet – doch beides ist für die Familie teuer. Trotzdem wollte sie uns unbedingt etwas anbieten.
Sie betete in Kikuyu. Ich verstand kein Wort – aber die Emotionen brauchten keine Übersetzung.
Sie hatte Tränen in den Augen.
Ich auch.
Dann erzählte sie uns, wie sie Simon nach den Schulferien jeweils zurück ins Internat bringt: Sie trägt ihren zwölfjährigen Sohn mehrere Kilometer auf dem Rücken bis zu einer Strasse, nimmt mit ihm ein Motorradtaxi bis zur Hauptstrasse und fährt anschliessend mit einem überfüllten Kleinbus weiter.
Wenn das Geld für die Rückfahrt nicht reicht, läuft sie stundenlang zu Fuss nach Hause.
Sie beklagte sich nicht.



Ein Hausbesuch verändert auch unsere Unterstützung
Genau deshalb sind solche Besuche wichtig. Erst wenn wir Menschen zu Hause besuchen, verstehen wir ihre Lebenssituation wirklich.
Für Simon möchten wir deshalb künftig sicherstellen, dass seine Mutter direkt von zu Hause mit einem Motorradtaxi abgeholt wird und genügend Geld für die Rückreise hat. Während der Schulferien wollen wir die Familie zudem mit Grundnahrungsmitteln wie Reis, Bohnen und Öl unterstützen.
Wir sprachen auch darüber, wie Simons Mutter ein kleines eigenes Einkommen aufbauen könnte. Sie hatte die Idee, einen kleinen Verkaufsstand zu eröffnen. Doch ihr kontrollierender Ehemann erlaubt ihr nicht, ein eigenes Geschäft aufzubauen.
Wir können nicht jede Situation verändern.
Am Tag nach unserem Besuch erzählte Simons Mutter Mama Grace von einer anderen Idee: einer Kuh für Simon.
Die Kuh würde für Simon angeschafft.
Nach ihrer kulturellen Tradition dürfte sein Vater diese nicht einfach verkaufen. Die Familie könnte die Milch selbst nutzen und einen Teil verkaufen. Die Kuh wäre so langfristig eine kleine Einkommensquelle für die Familie.
Es ist eine kleine Idee. Aber manchmal beginnen Veränderungen genauso: mit einer Lösung, die gemeinsam mit den Menschen entsteht, die ihre eigene Lebenssituation am besten kennen.
Als wir zurückfuhren, begann es zu regnen. Hätte es ein paar Stunden früher geregnet, hätten wir die Familie vermutlich gar nicht erreicht.
Wir fuhren zurück zu unserer Unterkunft. Dort warteten unsere nächste Mahlzeit und eine warme Dusche.
Simons Mutter musste hingegen zuerst einen weiten Weg zurücklegen, um überhaupt Wasser zu holen.
Solche Begegnungen machen uns dankbar – und demütig.
Wir können nicht alle Probleme lösen. Aber wir können zuhören, Beziehungen aufbauen und gemeinsam mit den Menschen und unseren Partnerorganisationen nach Lösungen suchen.
Für Simon bedeutet das, dass er weiterhin zur Schule gehen kann.

Hinter jeder Zahl stehen Menschen mit ihrer Geschichte
Was eure Spende möglich macht:
Eine Spende ermöglicht Medikamente, Schulgebühren, Transporte oder Lebensmittel. Sie ermöglicht aber auch die Arbeit dahinter: Familien besuchen, zuhören, Beziehungen aufbauen und gemeinsam mit Partnerorganisationen und Fachpersonen passende Lösungen entwickeln. Und dies immer mit dem Fokus, Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen und deren Familien zu unterstützen.
Deshalb beschäftigt Bawa Ndege uns beide in Kenia.
Unser monatliches Gehalt wird vom Vorstand von Bawa Ndege festgelegt und ist unabhängig von der Höhe der Spendeneinnahmen. Mit jeder Spende wird auch die Arbeit ermöglicht, die es braucht, um unsere Projekte vor Ort umzusetzen und Menschen langfristig zu begleiten.
Wer unsere Anstellung gezielt unterstützen will, kann dies mit dem Vermerk «Arbeit von Salome & Obadiah» tun. Natürlich freuen wir uns genauso über jede allgemeine Projekt-Spende.
Danke, dass ihr Beziehungen ermöglicht.
Ohne Mama Grace hätten wir Simon vielleicht nie kennengelernt. Und ohne eure Unterstützung wären wir nicht in der Lage, ihn und seine Familie zu begleiten.
Nicht alle Probleme sind lösbar. Aber wir können zuhören, Beziehungen aufbauen und Menschen ein Stück auf ihrem Weg begleiten.
Hilfe beginnt mit Beziehungen.
Danke, dass ihr Teil davon seid.
Herzliche Grüsse aus Kenia
Salome & Obadiah
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